WE STAND – Deine Geschichte mit Gott

Persönliche Geschichten berühren, ermutigen, geben Hoffnung und Kraft. Durch Sie kann Gott Wunder tun, Herzen heilen und auch zeigen, wie grosszügig Er seine Liebe unter den Menschen vergibt.

Das ICF Emmental feiert im Oktober sein zehnjähriges Jubiläum anlässlich einer Konferenz mit dem Motto „WE STAND“ – Wie können wir im Glaube standhaft bleiben. Im Vorfeld erscheinen nun auf der Website regelmässig sehr spannende Geschichten. Menschen, die in Ihrem Leben einen Schicksalsschlag erlebt haben, unter speziellen Bedingungen aufgewachsen sind oder aus anderen Gründen nach Gottes Hilfe gerufen haben, erzählen ihre ganz persönlichen Gedanken auf der Website. Diese Geschichten ermutigen, diesen Gott immer wieder zu suchen und sich mit Ihm einzulassen. Denn Jesus läuft in Hochform auf, wenn wir Ihn suchen und Ihm sagen: Ich brauche Hilfe.

Lies unbedingt die Geschichten auf www.we-stand.ch und lass dich berühren. Besonders freuen würde ich mich auch, wenn du dich vielleicht sogar dazu entscheidest, deine eigene Geschichte auf der Website zu veröffentlichen.

Geschichten lesen
Geschichte senden

 

Freunden vergeben

Wenn Menschen miteinander streiten, dann benehmen sie sich mehr als merkwürdig. Wir wünschen uns echte Beziehungen, Freundschaften, die unser Leben bereichern, in denen wir Liebe empfangen und selbst Liebe weitergeben können. Und doch sind es unsere Freundschaften, die uns die meiste Energie abverlangen und uns oft an den Rand der Verzweiflung treiben. Es fällt uns aber oft gerade in guten Freundschaften sehr schwer, einander zu vergeben. Warum? Weil die Enttäuschung und der Schmerz grösser ist, wenn ein guter Freund an einem schuldig geworden ist. Und doch sind gute Freunde für uns so wichtig.

„Wie oft muss ich vergeben?“

Petrus stellt Jesus also genau die richtige Frage, als er ihn darauf anspricht, wie oft man wohl seinem Bruder vergeben muss. Die Antwort von Jesus ist einfach: Ich sage dir: nicht siebenmal, sondern sieb- zigmal siebenmal (Mt 18,21-22) und erzählt den Jüngern eine Geschichte, die es in sich hat. Einem Mann werden Schulden in Millionenhöhe vergeben und Minuten danach lässt er einen Freund wegen einem winzigen Betrag ins Gefängnis werfen. Wie gehe ich mit der Vergebung um, die mir täglich in Jesus begegnet? Was bedeutet es mir, dass mir vergeben ist? Jedes Mal, wenn ich diese Geschichte lese, entscheide ich mich, nicht wie der erste Mann zu sein. Ihm wurde eine gewaltige Schuld erlassen aber er selbst war nicht fähig, diese Vergebung an andere weiter zu schenken. In unseren Freundschaf- ten können wir den Unterschied machen, wenn wir von dieser Geschichte lernen. Jesus hat uns alles vergeben, warum sollten wir anderen nicht vergeben!? Dazu braucht es Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang miteinander. Vergebung ist dort zuhause, wo Menschen aus Liebe zueinander „Ja“ sagen, auch wenn schuldig aneinander geworden ist.

Vergebung als Lebensstil

Vergebung ist also keine fromme Pflicht. Vergebung ist ein Lebensstil, zu dem Jesus uns berufen hat. Er hat dir vergeben, obwohl deine Schuld dich für immer verurteilt hätte. Vergebung ist das Ergebnis wahrer Liebe. Und gerade in engen Freundschaften hat Vergebung eine grosse Kraft. Mit Jesus zu leben, bedeutet jeden Tag aus seiner Vergebung zu leben und diese mit anderen Menschen – und vor allem auch mit unseren Freunden – zu teilen. Die Kraft für einen solchen Lebensstil können wir allein nicht aufbringen, auch bei Freunden nicht. Wir sind abhängig von der Vergebung, die wir selbst erfah- ren und deshalb sollten wir uns daran erinnern und erleben, wie Jesus uns vergibt, immer und immer wieder. Sein Grund ist seine Liebe zu uns und es ist seine Liebe, die uns anderen vergeben lässt, auch wenn wir ihnen lieber den Rücken zukehren würden. Nicht umsonst beten wir im „Vater unser“, dass unsere Freunde und Mitmenschen an der Vergebung teilhaben sollen: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern (Mt 6,12).
Als Nachfolger von Jesus leben wir aus der Vergebung Gottes und sind dazu berufen selbst Verge- bung als Lebensstil zu leben. Niemand hat dabei gesagt, dass Vergebung leicht fällt oder Spass ma- chen würde aber wir haben die sichere Zusage, dass sie etwas bewegen und verändern kann. Wo du anderen vergibst, weil du selbst Vergebung erfahren hast, werden Beziehungen tiefer gehen und Freundschaften wachsen. Sei also mutig und vergib anderen, wie dir vergeben ist!

Ein Gastbeitrag von Leonardo Iantorno

Geh auf Gott zu

Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wenn jemand sagt: »Ich liebe Gott«, aber seinen Bruder hasst, dann ist er ein Lügner; denn wer die Menschen nicht liebt, die er doch sieht, wie kann er da Gott lieben, den er nie gesehen hat? Gott selbst hat uns geboten, nicht nur ihn, sondern auch unseren Nächsten zu lieben.

1. Johannes 4, 19 – 21


Erst vor kurzem habe ich in einem Gespräch von jemandem die Frage gehört, ob man denn auch wütend sein darf auf jemanden. Denn wenn ihn jemand verletzt hat, ist es gut möglich, dass er dann längere Zeit einen Groll über dieser Person hege und auch neben der Enttäuschung Wut spüre. Ich mag diese Person und diese Frage. Es ist eine ganz ehrliche, direkt aus dem Herzen stammende suche nach einer Antwort. Es ist mir tausend Mal lieber, wenn jemand ehrlich zeigt, dass er wütend ist und darüber spricht, als die Emotionen zu verstecken und die Faust im Sack zu machen. Genauso denkt auch Gott. Sei ehrlich und geh mit deinen Gedanken und Emotionen auf Gott zu; Suche das Gespräch!

Wenn jemand sagt: »Ich liebe Gott«, aber seinen Bruder hasst, dann ist er ein Lügner…

In dieser Bibelstelle geht Gott einen Schritt auf uns zu. Lüge nicht, sei ehrlich zu Gott. Geh zu ihm, erkläre ihm, dass du mit einem Mitmenschen ein Problem hast. Und dann lass dich auf die Möglichkeiten, die Gott gibt, ein. Denn nur mit seiner Hilfe schaffe auch ich es immer wieder, Menschen zu vergeben und sie so zu lieben, wie Gott es sich wünscht.

Zum weiterlesen:
1.Timotheus 1,3-7.15-17

Positiver Egoist

Warst du auch schon mal in der Situation, in der du jemandem nicht vergeben wolltest, weil der Typ es schlicht nicht verdient hat? Ich jedenfalls kenne dieses Gefühl. Und weiss eigentlich auch, dass ich mich damit selber belüge. Denn mich selber bestrafe ich damit viel härter, während mein Gegenüber mein Nichtvergeben ja vielleicht nicht mal mitkriegt. Wenn ich nicht vergebe, dann beginnt diese Wut, dieser Frust, dieser Hass mein Herz zu zerfressen. Ich finde es unendlich traurig, älteren Menschen zu begegnen, die keine Lebensfreude, sondern Bitterkeit ausstrahlen, und alle mit ihren negativen Äusserungen eindecken. Auch fällt mir auf, dass bereits schon jüngere Menschen, die ihren Hass nie losgeworden sind, manchmal sehr alt aussehen können. Es geht beim Vergeben gar nicht so sehr um den Anderen und was er getan hat – es geht um mich und mein Herz. Wenn ich es nicht schaffe, all meinen Hass und die negativen Gefühle und Gedanken loszulassen, dann zernagen die mein Herz. Es ist, als wäre mein Lebensschiff in einem Hafen mit seinem Anker in Netzen verstrickt, und das säurehaltige Abwasser einer nahen Fabrik zerfrisst meinen Rumpf. Wenn ich es schaffe, diesen Anker zu kappen, dann kann ich endlich wieder ungehindert losdampfen!

Vergebung ist positiver Egoismus. Wir haben ja gelernt, dass Egoismus schlecht ist. Tatsächlich brauchen wir aber ein gesundes Mass an Egoismus. Wer sich selber völlig aufgibt, weil er nur an andere denkt, kann ebenso krank werden, wie ein Egoist, der nur für sich schaut. Irgendwo dazwischen liegt das gesunde Mittelmass. Gott spricht in der Bibel oft von diesem positiven Egoismus.
• Lukas 6,38: «Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfliessendes Mass wird man in euren Schoss geben; denn eben mit dem Mass, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.» In Lukas 4,24 heisst es sogar noch: dazumessen.
• 5. Mose 5,16: «Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir’s wohlgehe.» Ist das nicht eine unglaubliche Aussage? Egal wie viele Fehler deine Eltern auch machen mögen, Gott sagt, wir sollen sie ehren. Wenn du das tust, hat das direkte Auswirkung auf dein Leben. Dazu brauchen wir die Hilfe von Gott … damit wir vergeben können. Wenn uns erst mal bewusst wird, was Gott uns alles vergeben hat, dann fällt es auch leichter, anderen Menschen zu vergeben.
• Matthäus 6,14: «Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.»

Vergebung ist etwas, das unser Herz völlig auffressen kann. Oft vergessen wir, dass wir selbst im Endeffekt die Leidtragenden sind, wenn wir nicht vergeben! Sei ein Egoist und starte diesen positiven Vergebungslifestyle. Vergib anderen Menschen und vergiss dabei nicht, auch dir selbst immer wieder zu vergeben. Das wird dich in deinem Leben freisetzen!

Ein Gastbeitrag von Andreas “Boppi” Bopphart

Mobbing in der Schule

Alles fing an im zweiten Semester der 7. Klasse. Alle meine Schulkameraden wussten, dass ich bezeugende Christin bin und ich für sein Reich alles geben würde. Immer wieder wollte ich andere mit dem Glauben bekannt machen, investierte mich, mit ihnen Zeit zu verbringen und ihr Leben zu prägen. Meine damals beste Freundin und ich luden zwei Kolleginnen ein, ein Bibelnachmittag mit uns zu verbringen. Leider rutschte ihnen das in den falschen Hals und das Mobben begann.

Meine beste Freundin wurde verschont, da sie eher ein passiver und verschlossener Mensch ist. Da ich aber sehr verletzlich war, und das auch alle wussten, wurde dies ausgenutzt. Ständig wurden mir verachtende Worte zugeworfen und alle meine engen Freunde in der Klasse liessen mich hängen, verrieten mich und hielten dem Gruppendruck nicht stand. In der Jugendgruppe erzählte ich meine Sorgen, meine Verletzungen und fühlte mich verstanden. Jedoch war ein Mitglied unserer Kleingruppe in meiner Klasse und erzählte allen anderen die vertraulichen Sorgen. Somit nahmen die Dinge ihren Lauf. Als ich einmal mit meiner Lehrerin in den Keller musste, um Bücher zu holen, wurde mir meine Agenda aus der Schultasche gestohlen und als ich zurück kam, sah ich was das Ergebnis war. Auf einer der letzten Seiten hatten sie einen Teufel gemalt, oben Himmel und unten Hölle hingeschrieben, wobei Himmel durchgestrichen war. Wissend, das dies der Punkt ist wo sie mich am meisten verletzten konnten, hatten sie Spass zu sehen, wie ich in Tränen ausbrach. Das ging jeden Tag so weiter. Nicht nur meine Klasse mobbte mich, sondern auch viele andere im Schulhaus. Jeden Tag kam ich weinend nach Hause, fühlte mich nicht wohl in meiner Klasse, meine Noten sanken in den Keller und eigentlich wollte ich gar nicht mehr zur Schule. Als meine Eltern das Gespräch mit meinen Klassenlehrern suchten, war für mich eigentlich klar, das ich diese Leute am liebsten nie mehr wieder sehen wollte. Auch auf die Klassenlehrer war ich sauer, da diese sahen, was los war und trotzdem nichts dagegen unternahmen.

Meine Eltern und meine Lehrer entschieden, dass es das Beste sein würde, wenn ich das Schulhaus wechsle. Einverstanden mit dieser Entscheidung, wechselte ich auf die 8.Klasse das Schulhaus. Froh darüber, dass ich in dieser Klasse eine Freundin haben würde, von der ich wusste, dass sie immer hinter mir stehen wird. Alle in der neuen Klasse wussten, wieso ich zu ihnen kam, sprachen dies immer wieder an und einige wenige mobbten mich deswegen oder zogen mich mit dummen Sprüchen über Jesus auf. Als wir dann einmal Sporttag hatten, an dem sowohl das unsere als auch mein altes Schulhaus beteiligt waren, fing die ganze Geschichte von vorne an. Ich wurde im Basketball ständig gefoult, mit vernichtenden Blicken betrachtet oder mit gemeinen Worten aufgezogen. Somit konnte sie mir sogar den Spass an meinem Lieblingssport verderben und ich hockte nur noch draussen und weinte.

Ich merkte selber, dass ich es alleine nicht schaffen würde, den Leuten zu vergeben und ihnen zu begegnen ohne dass ich in Tränen ausbrechen würde. Ich ging ca. ein Jahr lang zu einem Seelsorger, um alles aufzuarbeiten und fähig zu werden meinen ehemaligen Freunden zu vergeben. Glücklicherweise kam ich auch zu diesem Punkt, an dem ich wirklich sagen konnte, dass ich jedem einzelnen vergab. Ich konnte ihnen wieder unter die Augen treten und habe mit ein paar Personen heute wieder ein wenig Kontakt. Es freute mich auch sehr, dass eine Mittäterin ca. zwei Jahre nach der Tat auf mich zukam sich entschuldigte und mich um Vergebung bat! Wow, ich staunte nicht schlecht!

Mit Gottes Hilfe war ich fähig, denn Mitschülern zu vergeben. Immer wieder durfte ich erfahren das Jesaja 40, 29-31 auch für mich Realität ist.

„Er gibt den Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Die Knaben werden müde und matt, und die Jünglinge fallen, aber die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass die wandeln und nicht müde werden.“

Immer wieder durfte ich erfahren, wie mir Jesus neue Kraft gab, wie ich durch ihn das Licht am Ende des Tunnels sah und wie ich durch seine Liebe freigesetzt wurde, den Menschen zu vergeben, die seinen Namen in den Dreck gezogen haben.

Jesaja 59, 1: „ Siehe des Herrn Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könne, und seine  Ohren sind nicht hart geworden, dass er nicht höre.“

Amen, er hat mich erhört, hat mir Kraft gegeben und hat mich durch die schwere Zeit auf seinen Händen getragen.

Sara Langenegger (19)

forgive.ch im Teensmag

Wow, die aktuelle Ausgabe vom Teensmag widmet forgive.ch eine ganze Seite! Vielen Dank!!

(Klick hier auf das Bild und auf der folgenden Seite nochmals um den Beitrag zu lesen)

Wer vergibt wem?

Immer wieder merke ich, dass es beim Thema Vergebung ein Missverständnis gibt. Denn es ist entscheidend zu verstehen, wer eigentlich wem vergibt und Vergebung nötig hat. Kürzlich hat Könu Blaser, Pastor vom ICF Emmental, dies in einer Predigt wunderbar aufgezeigt.

Stell dir vor, dein Nachbar und guter Fernsehabendfreund Müller hat einen Apfelbaum. Dieser Baum steht nahe an deinem Grundstück und du kannst locker von deinem Rasen aus zum Baum greifen und einen Apfel ablesen. Letzten Herbst hat dieser Baum wieder einmal wunderschön Äpfel getragen und du hast dir für die Sonntagnachmittaglektüre im Garten einen gepflückt. Natürlich hast du dir nichts böses dabei gedacht. Was macht es schon, wenn du einmal einen der vielen Äpfel isst, tut doch niemandem weh. Zufällig hat Müller dies von seinem Haus aus beobachtet und entschliesst, dass nun genug Äpfel und Heu unten ist und dreht sich wütend vom Fenster weg. Seit diesem Tag hat sich dein Nachbar nicht mehr für einen gemeinsamen Fernsehabend gemeldet und schaut dir beim grüssen auch nicht mehr in die Augen. Und du fragst dich wieso! Müller hingegen regt sich innerlich auf, anstatt dir seine Wut auszudrücken. Du erfährst eines Tages von Frau Müller, warum denn der Nachbar und Freund plötzlich nur noch Nachbar ist.

Was denkst du, hat diese Geschichte mit Vergebung zu tun?

Natürlich hast du dich nicht richtig verhalten und hast den Nachbarn Müller enttäuscht, denn man nimm nicht einfach von Nachbars Garten die Äpfel. Darum darf Müller wütend sein auf dich. Nur: Wie lange? Wie lange soll Müller wütend sein? Das liegt nun alleine in seiner Hand. Müller kann so lange mit der Wut und Enttäuschung leben, wie er will. Erst wenn er begriffen hat, dass die Freundschaft wiederhergestellt ist, wenn er dir vergeben kann, erst dann wird auch er die Wut ablegen können. Müller muss nicht einfach vergessen, dass er bestohlen wurde. Aber er kann vergeben.

Vergeben und vergessen ist nicht dasselbe! Vergessen bringt keine gründliche Heilung in eine Beziehung. Vergeben ist aber ein Schritt dazu.

Müller hat in der Zwischenzeit übrigens seinen Nachbarn auf den Fehler angesprochen. Dieser zeigte Reue und Müller konnte ihm vergeben. Noch rechtzeitig zur Fussball-WM 2010.

Goethe

“Denn höher vermag sich niemand zu heben, als wenn er vergibt.” – Johann Wolfgang von Goethe

Zu Unrecht

Jesus hing schon am Kreuz. Er wurde geschlagen, gedemüdigt, gefesselt, ans Kreuz genagelt und musste dabei die unerträglichsten Schmerzen auf sich nehmen, welche ein Mensch überhaupt erleben kann. Jesus hing voller Qualen am Kreuz im Sterben. Er wurde von den Menschen verhöhnt und geplagt. Er hatte die besten Gründe, um auf die Menscheit wütend zu sein und seinem Vater zu befehlen, seine Peiniger mit voller Gewalt zu bestrafen. Jesus wurde zu Unrecht zum Tode verurteilt und neben zwei Kriminelle ans Kreuz geschlagen. Er hätte das Recht gehabt, um den Menschen Unglück zu wünschen. Jesus, wie er am Kreuze hing und Schmerzen litt, dachte aber nicht daran. Er hatte keine Bösen Gedanken. Er wünschte niemanden den Tod. Ganz im Gegenteil, er hing am Kreuz, um die Menschen vor dem Tod zu bewahren. Seine Antwort auf die Verspottungen war ganz einfach nur:

Jesus aber sagte: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.«
(Lukas 23,34 NGÜ)

Aus der USA erreichen uns immer wieder Nachrichten von Menschen, welche zu Unrecht zum Tode verurteilt wurden und nach vielen Jahren in Haft wieder frei kamen. Diese Menschen warten jahrelang tagtäglich nur noch auf ihre Hinrichtung. In den wohl übelsten Räumlichkeiten und Bedingungen, die Menschen erleben können. Stell dir vor, du bist in so einem Gefängnis, zu Unrecht, und wartest auf dein Ende. Menschen haben dich zu Unrecht verurteilt und wollen dich nicht mehr auf dieser Erde haben. Kannst du dann wie Jesus antworten “Vater, vergib ihnen”?

Mein Respekt gilt den Menschen, welche zu Unrecht Qualen erleiden, verspottet werden und nicht mehr erwünscht sind und trotzdem nicht den Mut und die Lebensfreude verlieren. Und ich bin überzeugt, diese Kraft kommt von ganz weit oben zu uns. Danke an dieser Stelle!

Vergebung trotz Untreue?

„Vergebung trotz Untreue?“  fragt Mandy_0 in einem Forum im Internet. Der Partner ihrer Freundin hat sie mit einer anderen Frau betrogen. Sie fragt sich, ob die Freundin ihrem jetzigen Ex vergeben soll. Eine Antworterin empfiehlt ihr ein „fettes NEIN“, eine andere weiss, dass es „einfacher gesagt als getan“ ist. Warum ist vergeben so schwierig?

Jedem von uns wird bestimmt einmal etwas in unseren Augen Ungerechtes angetan. Sei es, dass dein kleiner Bruder mehr Spielzeug erhalten hat (gut, jüngere Geschwister werden eh immer mit lieber behandelt), sei es dass dich ein Lehrer in der Schule zu Unrecht mit etwas beschuldigt hat oder dass dich der Schiri beim Fussballmatch falsch beurteilt und darum vom Platz gestellt hat. Oder vielleicht hat dir sogar dein Schatz wegen einer anderen oder einem anderen den Laufpass gegeben. In diesen ungerechten Momenten möchtest du bestimmt in einen Wald Bäume anschreien gehen, so stark ist der Schmerz und die Wut über das Erlebte. Tu es. Es hilft. Es hört dich ausser Gott niemand und du tust niemandem weh. Und wenn du den Baum dann zu Boden geschrieen hast ist es an der Zeit dich zu fragen, wie es nun weitergehen soll. Du kannst (und musst vielleicht) die Situation einfach akzeptieren und weiterleben. Gott lehrt uns aber, in diesem Momenten noch weiter zu gehen und nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu vergeben. Und Freundschaften zu erhalten:

Wer über die Fehler anderer hinwegsieht, gewinnt ihre Liebe; wer alte Fehler immer wieder ausgräbt, zerstört jede Freundschaft. (Sprüche 17,9; HFA)

Ja ja, die Bibel macht es uns nicht einfach. Aber Recht hat sie. Vergebung ist der Weg, Freundschaften zu erhalten. Und vor allem um ein glückliches Herz zu gewinnen und zu erhalten. Nachdem du den Baum angeschrien hast wirst du bestimmt immer noch wütend sein über die Person, welche dich verletzt hat. Und Nachtragend. Genau dies raten uns die Sprüche aber abzulegen. Vergeben bedeutet nicht vergessen, aber ablegen.  Vielleicht liest du dies und denkst: Der hat gut reden. So einfach wie der es beschreibt kann es nicht sein. Nein, es ist nicht einfach. Darum bitte Gott um seine Hilfe. Nur wenn uns Gott hilft zu vergeben ist es echt und hilft deinem Herzen.

„Einfacher gesagt als getan“, weiss die Person im Forum. Es ist nicht einfach, darum hol dir Hilfe bei Gott. Er hilft gerne. Und verlangt von uns auch, dass wir vergeben:

Da wandte sich Petrus an Jesus und fragte: »Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er immer wieder gegen mich sündigt? Siebenmal?« –

»Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal!« (Matthäus 18,21-22; NGÜ)

Wenn du siebenundsiebzigmal (für die Fans von Zahlen: 77x) für eine Sünde an dir vergeben hast, dann bist du mit Sicherheit nicht mehr wütend auf die Person (ich habe es zwar noch nie geschafft, jemanden 77 Mal zu vergeben und auch noch mitzuzählen).

Eine Geschichte, die zeigt, wie Emotional und Lebenswichtig vergeben ist, ist die von Corrie ten Boom. Ihre Schwester ist in einem KZ umgebracht worden, Jahre später bittet ein KZ Wächter sie um Vergebung. Sie erlebt und beschreibt den innerlichen Kampf in einer berührenden Art und Weise.

Bei der ganzen Vergebungskiste haben wir uns bisher auf einen Standpunkt beschränkt:

„In meinem Leben habe ich gelernt, viel zu vergeben und mir viel vergeben zu lassen.“ (Otto Fürst von Bismarck)

Wir sind Menschen. Wir machen Fehler (nicht nur in den Schuldiktaten, auch im Leben mit unseren Mitmenschen) und verletzen andere Menschen. Darum sollten wir unseren Blick mal von Aussen auf uns selber richten. Bist du dir bewusst, dass du bestimmt auch schon andere Menschen verletzt hast. Vielleicht bist du der jüngere Bruder, der mehr Spielzeug erhalten hat (ja, ich bin so einer). Vielleicht bist du der Schiedsrichter und hast wirklich einem Spieler zu Unrecht die rote Karte gezeigt. Vielleicht hast deinen Schatz enttäuscht und verletzt, weil du dich in einem anderen Menschen verguckt hast? Wir sind abhängig davon, dass uns unsere Mitmenschen vergeben. Gott weiss, dass wir Menschen Fehler machen und sündigen. Darum ist es ihm so wichtig, dass wir unseren Mitmenschen vergeben, wie er uns mit dem Tod seines Sohnes vergeben hat. Sei dankbar, wenn dir Mitmenschen deine Fehler vergeben und vergiss nie, deinen Freunden zu vergeben und damit die Freundschaft zu erhalten. Martin Luther King bringt es auf den Punkt: Vergebung ist keine einmalige Sache, Vergebung ist ein Lebensstil.

Vergebung trotz Untreue – Text als PDF-Datei