Wie du mir, so ich dir

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das Gesetz des alten Testaments. Das grundlegende Gesetz der Rache. Möchte man meinen. Werfen wir doch einen kurzen Blick in das Gebet, welches die Bibel uns lehrt zu beten:

So sollt ihr beten: `Unser Vater im Himmel, dein Name werde geehrt. Dein Reich komme bald. Dein Wille erfülle sich hier auf der Erde genauso wie im Himmel. Schenk uns heute unser tägliches Brot, und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig geworden sind. Lass nicht zu, dass wir der Versuchung nachgeben, sondern erlöse uns von dem Bösen. Wenn ihr denen vergebt, die euch Böses angetan haben, wird euer himmlischer Vater euch auch vergeben. Wenn ihr euch aber weigert, anderen zu vergeben, wird euer Vater euch auch nicht vergeben.
(Matthäus 6, 9-15)

Auge um Auge gilt eigentlich nur noch bei der Beziehung zwischen Gott und uns. Denn wenn wir unseren Schuldigen vergeben, so wird auch Gott uns gerne vergeben. Wenn wir selber es nicht schaffen zu vergeben, dann wird sich auf Gott nicht einfach auf eine Vergebung einlassen.

Wie du mir, so ich dir, dies sollte nicht unser Ziel sein. Im Sport ist es anders: Wenn die gegnerische Mannschaft ein Tor schiesst, dann musst du wohl reagieren. Das Leben ist aber ein anderes Spiel. Hier geht es nicht um die Punkte, die wir sammeln und auch nicht um schwarzen Punkte, die andere in unserem Leben hinterlassen. Am Ende spielen diese Punkte keine Rolle. Gott wird dich am Schluss nicht fragen: “Und, wie häufig hast du anderen geholfen? Wie häufig hast du Tante Karla über die Strasse geholfen. Und wie häufig hast du Nachbar Meier vergeben, dass er dir einen Apfel vom Baum geklaut hat (ob seine Frau Eva heisst und ob sie ihn dazu verführt hat wissen wir nicht)” Gott wird wahrscheinlich eher fragen: “Hast du Nachbar Meier vergeben? Hast du Karla über die Strasse geholfen?”

Was denkst du, wenn du das Vater unser liest? Was will die Bibel deiner Meinung nach uns mitteilen?

    • Martina
    • 12. Dez. 2009

    Vergebig befreit, absolut!! unglaublich schön!
    Aber Gott vergit eim IMMER, ohni vorbehalt!! au wämmer selber noni so wiit isch zum öbberem z’vergeh, Gott vergitt immer wännmä ihn darum bittet!!

    • Simon
    • 13. Dez. 2009

    Hei Martina, vielen Dank für deinen Kommentar.
    Meiner Meinung und Erfahrung nach kann ich dir nur zustimmen, es befreit ungemein und das Leben geht weiter. Ich glaube auch, dass Gott einem vergibt, wenn man ihn darum bittet. Was denkst du aber, wie der Text aus dem Vater unser aus dem neuen Testament zu verstehen ist:

    Wenn ihr euch aber weigert, anderen zu vergeben, wird euer Vater euch auch nicht vergeben.

    Darf man trotzdem davon ausgehen, immer Vergebung zu empfangen, oder ist es gerade eben von unserer Herzenshaltung abhängig?
    Ich freue mich auf alle Gedanken dazu.

    • Albert
    • 13. Dez. 2009

    Das kann eine lange Diskussion werden. Sie wird aber gut tun!
    Darum haben beide recht:
    @Simon: es wird noch vertrackter, wenn Du neben die von Dir zitierte Stelle Mt. 6,15 folgende weitere stellst:
    Mt. 12,31f + Lk. 12,10
    Mk. 4,12
    @Martina: warum ich glaube, Dir völlig zustimmen zu können, stütze ich vor allem auf Deinen Zusatz “wer ihn bittet”. Spätestens dann wird Gott dem Bittenden erläutern, wie seine Gnade funktioniert. Der Gott der Bibel, der Jesus genau zum Zweck der Vergebung auf die Erde gesandt hat, ist einer, der nur darauf wartet, angerufen zu werden und der dann auch antwortet. Die Vergebung spricht er aus und zwar nicht als Befehlsempfänger, sondern weil er sie versprochen und alles Nötige dazu bekannt gegeben hat. Er hält sein Wort, ganz besonders wenn man sich darauf beruft. Das liebt er über alles.

    • Simon
    • 13. Dez. 2009

    @Albert: Danke. Es wird nicht vertrackter, sondern es kommt eher Licht in die Sache. Wenn man die Aussage aus Mt. 12,31-37 versucht zu verstehen (gerade zusammen mit Lk. 12,10 und Mk. 3,28-29) kommt man dem Grund der möglichen Nichtvergebung durch Gott näher. Auf den ersten Blick verstehe ich zwar nicht, warum die Lästerung an Jesus vergebbar ist, die am heiligen Geist hingegen nicht. Und vor allem: Was ist Lästerung am heiligen Geist. Vielleicht die Aussage, dass der heilige Geist es nicht sei, obwohl er es ist?
    2. Mose 20,7 beschreibt, dass auch eine Lästerung an Gott nicht vergebbar ist. Es erscheint logisch, dass Jesus alles vergibt, wenn wir zu ihm rufen. Es scheint aber eine Linie zu geben, nämlich die Lästerung an Gott und dem heiligen Geist sind unverzeihbar. Aber kann es möglich sein, dass nur dann eine Lästerung als solche Bezeichnet wird, wenn man den heiligen Geist auch kennt? Paulus ist das beste Beispiel dafür (1. Tim. 1,13).
    Das Thema Lästerung und Nichtvergebung werde ich wohl in einem nächsten grossen Beitrag nochmals erfassen.
    Schlussendlich dürfen wir nicht vergessen, dass Gott uns über alles liebt. Und wenn wir Ihn von ganzem Herzen lieben wird es gar nicht dazu kommen, dass wir um Vergebung bitten müssen.

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