Zweifel nicht an deinen Gaben!

Mit 16 begann ich meine Lehre als Floristin. Ich freute mich riesig auf den meine Ausbildung, denn alles schien perfekt: Das Geschäft, der Beruf sowie das Team – ein Traum. Meinen Chef lernte ich als sympathischen und aufgestellten Menschen kennen. An meinem ersten Arbeitstag hingegen schien er mir gegenüber etwas mürrisch, ich dachte aber darüber nicht weiter nach. Erst später merkte ich, dass dies sein üblicher Gemütszustand war. So verlor mein Traumberuf etwas an Glanz – den Job liebte ich zwar immer noch sehr, das Geschäft und das Team hingegen waren nicht mehr so toll, wie ich es mir vorgestellt hatte. Des Öfteren musste ich Kritik einstecken – fachliche und menschliche Kritik. Die schlechte Laune meines Chefs hielt an. An manchen Tagen war nur sehr wenig nötig – etwa ein kleiner Fehler – und man wurde mit der ganzen Ladung seiner schlechten Laune bombardiert. Meinem Gerechtigkeitssinn wurde das alles zu viel. Ich mag es in keiner Weise, wenn jemand unfair behandelt wird. Natürlich geriet ich mit meinem Chef immer wieder in Konflikt, weil ich mich für die Wahrheit einzusetzen versuchte. Trotz den immer grösser werdenden Problemen mit meinem Lehrplatz beantwortete ich die Fragen anderer, ob es mir gefalle, brav mit Ja. Schliesslich sind Lehrjahre keine Herrenjahre, dachte ich mir. Zuhause wurde mir auch immer gesagt, dass ich halt im Moment unten durch muss, so lang gehe es ja nicht mehr. Ich fand niemanden, der meine Situation verstand! Alle ermutigten mich zum Weitermachen. Einzig in meiner Kleingruppe in der Kirche fand ich Halt. Ohne meine Freundinnen, meine Familie und vor allem ohne Gott hätte ich meine Ausbildung nicht geschafft. Ich fühlte mich häufig innerlich zerbrochen in einem Scherbenhaufen. Natürlich sah das von aussen niemand.

„Du bist eine schlechte Floristin, du hast ein schlechtes Fachwissen. Du schaffst die Prüfung schon, doch würde ich wenn ich dich wäre noch eine zweite Ausbildung anhängen.“ Oft musste ich diese Worte meines Chefs hören und über mich ergehen lassen. Mit der Zeit glaubte ich es ihm auch! Mein Chef hatte zu dieser Zeit eine ziemliche Kraft über mein Leben, über mein Herz und meine Gedanken. Innerlich brodelte ich. Doch aufgeben konnte und vor allem wollte ich nicht. Ich redete mir ein, dass ich diesem Laden eine Aufgabe hätte.

Nach Ende der Lehrzeit arbeitete ich erst mal für eineinhalb Jahre auf einem total anderen Beruf. Dies war für mich eine wunderbare Zeit. Die Wunden konnte es aber nicht heilen. In den zwei Jahren nach Abschluss meiner Ausbildung begegnete ich meinem ehemaligen Vorgesetzten ab und zu wieder. Und er nahm mir die Luft zum atmen. Alle Emotionen drängten sich immer und immer wieder nach oben. Er hatte immer noch so viel Macht in meinem Leben. Er konnte über meine Gefühle bestimmen. Ob ich das wollte oder nicht.

Nach den Erfahrungen in einem anderen Beruf wechselte ich zurück zu den Wurzeln und wurde wieder Floristin. Hier erkannte ich, dass ich immer noch geprägt bin von der Lehrstelle. Doch ich gestand es mir nicht ein. Einfachste Arbeiten liefen häufig schief. Aber ich verstand nicht, warum ich so leichte Dinge nicht begreifen konnte. Ich wurde unzufrieden mit mir selber, glaubte nicht mehr mich und ich gab mich auf. Ich war kurz davor, den Job hinzuschmeissen, ich konnte nicht mehr.

Eines Tages lief bei der Arbeit wieder alles schief. Meine Arbeitskollegin schaute mich verzweifelt an und sagte zu mir: „Ich weiss nicht, was ich mit dir machen soll. Ich versuche alles, aber ich kann es dir einfach nicht richtig erklären. Aber ich weiss das du es kannst!“ Ich traute meinen Ohren nicht. Diese Frau stand vor mir und sprach direkt in mein Herz. Sie sagte mir, dass sie an mich glaube! Nun verstand ich mein Problem: Ich glaubte selber nicht mehr an mich! Mein Selbstvertrauen war gebrochen und verloren. Und endlich wurde mir klar, dass ich es kann. Ich bin kein Niemand. Ich bin jemand. Und ich brauche Hilfe!

Ich traf mich kurze Zeit später mit einer Freundin, um mein Problem anzupacken. Ich erklärte ihr all meine Erlebnisse und Gedanken. Anschliessend beteten wir zusammen. Unter Tränen warf ich all meinen Groll, meine Wut, meine Narben und Wunden vor Jesus Kreuz. In diesem

Moment spürte ich eine wunderbare Wärme und Geborgenheit in meinem Herz. In diesem Moment wurde ich zu einem neuen Mensch. In diesem Moment konnte ich ohne Probleme an meine Vergangenheit zurückdenken. In diesem Moment konnte ich meinem ehemaligen Chef wirklich vergeben.

Seither gehe ich viel gelassener an meine Arbeit. Meistens gelingen mir meine Arbeiten nun auf Anhieb. Einfach so. Und wenn sich mal kleine Zweifel einschleichen, dann denke ich einfach daran, dass Gott mich liebt und mir Talente geschenkt hat. Mit seiner Hilfe werde ich nicht mehr scheitern. Und mit seiner Hilfe habe ich vergeben können. Dank dem, dass ich vergeben habe, bin ich ein neuer Mensch. Das war für mich ein Wunder Gottes.

M. T. 23, in einem Mail an den Autor.

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