Positiver Egoist
Warst du auch schon mal in der Situation, in der du jemandem nicht vergeben wolltest, weil der Typ es schlicht nicht verdient hat? Ich jedenfalls kenne dieses Gefühl. Und weiss eigentlich auch, dass ich mich damit selber belüge. Denn mich selber bestrafe ich damit viel härter, während mein Gegenüber mein Nichtvergeben ja vielleicht nicht mal mitkriegt. Wenn ich nicht vergebe, dann beginnt diese Wut, dieser Frust, dieser Hass mein Herz zu zerfressen. Ich finde es unendlich traurig, älteren Menschen zu begegnen, die keine Lebensfreude, sondern Bitterkeit ausstrahlen, und alle mit ihren negativen Äusserungen eindecken. Auch fällt mir auf, dass bereits schon jüngere Menschen, die ihren Hass nie losgeworden sind, manchmal sehr alt aussehen können. Es geht beim Vergeben gar nicht so sehr um den Anderen und was er getan hat – es geht um mich und mein Herz. Wenn ich es nicht schaffe, all meinen Hass und die negativen Gefühle und Gedanken loszulassen, dann zernagen die mein Herz. Es ist, als wäre mein Lebensschiff in einem Hafen mit seinem Anker in Netzen verstrickt, und das säurehaltige Abwasser einer nahen Fabrik zerfrisst meinen Rumpf. Wenn ich es schaffe, diesen Anker zu kappen, dann kann ich endlich wieder ungehindert losdampfen!
Vergebung ist positiver Egoismus. Wir haben ja gelernt, dass Egoismus schlecht ist. Tatsächlich brauchen wir aber ein gesundes Mass an Egoismus. Wer sich selber völlig aufgibt, weil er nur an andere denkt, kann ebenso krank werden, wie ein Egoist, der nur für sich schaut. Irgendwo dazwischen liegt das gesunde Mittelmass. Gott spricht in der Bibel oft von diesem positiven Egoismus.
• Lukas 6,38: «Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfliessendes Mass wird man in euren Schoss geben; denn eben mit dem Mass, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.» In Lukas 4,24 heisst es sogar noch: dazumessen.
• 5. Mose 5,16: «Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dir’s wohlgehe.» Ist das nicht eine unglaubliche Aussage? Egal wie viele Fehler deine Eltern auch machen mögen, Gott sagt, wir sollen sie ehren. Wenn du das tust, hat das direkte Auswirkung auf dein Leben. Dazu brauchen wir die Hilfe von Gott … damit wir vergeben können. Wenn uns erst mal bewusst wird, was Gott uns alles vergeben hat, dann fällt es auch leichter, anderen Menschen zu vergeben.
• Matthäus 6,14: «Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.»Vergebung ist etwas, das unser Herz völlig auffressen kann. Oft vergessen wir, dass wir selbst im Endeffekt die Leidtragenden sind, wenn wir nicht vergeben! Sei ein Egoist und starte diesen positiven Vergebungslifestyle. Vergib anderen Menschen und vergiss dabei nicht, auch dir selbst immer wieder zu vergeben. Das wird dich in deinem Leben freisetzen!
Ein Gastbeitrag von Andreas “Boppi” Bopphart